Session I: „Connected Media“

Thema: Konvergenter Medienkonsum als Businesstreiber: Worauf warten die Konsumenten noch?

Impulsstatements

  • Ned Wiley, Axel Springer TV Digital GmbH:
    • Zu hohe Komplexität der Systeme vergrault Nutzer
    • Geschäftsmodelle aus anderen Branchen (z.B. Internet) werden ohne Anpassungen übertragen
  • Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg, Fraunhofer IDMT:
    • Usability muss bei allen Anwendungen im Vordergrund stehen
    • Standardisierung ist Treiber des Fortschritts, wird oft nicht so empfunden
  • Sebastian Becker, thebrainbehind GmbH
    • Medienunternehmen geben durch IT-Outsourcing Know-How ab
    • Global agierende Unternehmen treffen in regionalen  Märkten auf lokale Standards
    • Trennung der Branchen behindert die Umsetzung übergreifender Lösungen
  • Peter Gurr, Stiftung Warentest
    • Verschiedene Innovationsbremsen verhindern die erfolgreiche Markteinführung neuartiger Produkte für konvergente Medien (keine einheitliche Benennung der Produkte, Vielzahl verschiedener Datenformate, ...)

Moderation: Sven Kielgas, SERVICEPLAN Gruppe für innovative Kommunikation GmbH & Co. KG

Diskussion

Ist der Fernseher das Zentrum des Heimnetzes?

  • Brandenburg: Nein, TV ist reines Anzeigemedium, die Prämisse lautet „anything, anywhere, …“, Nutzer wollen auch mit Smartphone und Tablet ihre Wohnung (hier: Medienwiedergabe) steuern und unterhalten werden
  • Gurr: Experten haben bereits vor Jahren angekündigt: „Die Intelligenz bewegt sich weg vom TV-Gerät (zentrale Steuerungseinheit oder Cloud)“, die Realität sieht heute aber anders aus – smart/web/hybridTVs sind überall
  • Becker: Komplexes Geflecht von Einzelinteressen der Hersteller ⇒ Nicht alles, was für Nutzer wünschenswert/sinnvoll ist, wird auch umgesetzt

Usability

  • Fernbedienung als Beispiel schlechter Usability
  • Vorschlag aus dem Publikum: 8 verschiedene Fernbedienungen mit einem Gerät ersetzen, das sowieso im Haushalt verfügbar ist, z.B. Mobiltelefon
  • Becker: Geschäftsmodelle sehen das nicht vor! Zugang zum Kunden über Fernbedienung der Gerätehersteller (Bsp. Red Button, eigene VoD-Library, …)
  • Brandenburg: Umsetzung dieses Vorschlags auch technisch komplex (z.B. Logitech Harmony steuert alles, ist aber nur mit hohem Aufwand einzurichten)
  • Wiley: Geschäftsmodelle werden für Technologien entwickelt und nur unzureichend an Nutzeranforderungen angepasst (Bps. Google TV: Suche aus der PC-Welt übertragen auf TV ist nicht sinnvoll, schlechte Erfahrungen verschrecken User)

Cloud

  • Wiley: Tendenz der Verlagerung auch im Medienumfeld erkennbar ⇒ Verlagerung von Komplexität hat das Potenzial, zu günstigeren Geräten und kürzeren Innovationszyklen zu führen
  • Becker: Die „Home Cloud“ lässt sich nicht mehr aufhalten, Nutzer fordern vernetzte Geräte und übergreifende Anwendungen

Interessensausgleich durch Rechteverwaltung (DRM)

  • Kielgas: Innovationen und tragfähige Geschäftsmodelle sind gefragt
  • Gurr: Medien werden körperlos (früher konnte man ein Buch verleihen), das Rechtemanagement ist bis heute nicht für alle Parteien zufriedenstellend gelöst
  • Becker: In den Führungsetagen der Konzerne sitzen Digital Immigrants, die in der Welt der Neuen Medien nur unsicher unterwegs sind ; Selbstbewusstsein deutscher Unternehmen fehlt, mutig neue Wege zu gehen (Bsp. Apple)

Der Standort Deutschland und seine Rolle im Umfeld konvergenter Mediennutzung

  • Brandenburg: Deutsche Technologie ist nach wie vor hervorragend, besonders im Mittelstand; Deutschland verfügt über engagierte Menschen, Kultur des Teamwork, weitere Ressourcen ⇒ Voraussetzungen stimmen
  • Wiley: Selbstbewusstsein auch kleinerer Unternehmen, Mut zur Zusammenarbeit fehlt
  • Becker: Deutschland ist ein großer und wichtiger Markt; kleine Testmärkte bekommen Innovationen oft früher
  • Stärken des Mittelstands machen Deutschland zum idealen Testmarkt von Connected-Living-Lösungen, wenn Unternehmen miteinander kooperieren
    Deutsche Schwächen: Marketing, Branding, …
  • Gurr: Deutsche Vorsicht und Ängstlichkeit wird zum Exportschlager ⇒ Sicherheit und vertrauenswürdige Dienste als Kernprodukt
  • Becker: Gegenpol zur Ängstlichkeit: Vertrauen als Basis für jedes Geschäft; Stichwort: „Immanuel Kant AG“
  • Kielgas: Brauchen wir eine zentrale Clearingstelle, um Vertrauen zu schaffen?
  • Gurr: „Stiftung Datenschutz“ in Planung

Datensicherheit

  • Gurr: Wenig Bewusstsein bei Nutzern ⇒ Daten werden bereitwillig in Online-Netzwerken freigegeben
  • Wiley: Search und Community als größte Treiber der Internetwirtschaft in den vergangenen Jahren (Google und Facebook sind Marktführer trotz umstrittener Datenpolitik)
  • Becker: Entscheidungskompetenz, Hoheit über die eigenen Daten muss an Nutzer zurückgegeben werden
  • Brandenburg: Minimalausprägung: Nutzer müssen über die Menge und Art der gesammelten Daten informiert werden
  • Becker: Bewusste Entscheidung für die Freigabe von Daten (Opt-In), aber wer soll das kontrollieren? Stiftung Datenschutz?
    Konkurrierende Geschäftsmodelle in unterschiedlichen Branchen führen zu Interessenskonflikt

Innovationsentwicklung

  • Wiley: Erfahrung: Außenseiter oft am besten geeignet, da sie nicht durch das Festhalten and bestehenden Geschäftsmodellen ausgebremst werden (Bsp. Apple baut ein Mobiltelefon)
  • Kielgas: Wer hat die Oberhand bei der Entwicklung konvergenter Lösungen? Inhalsanbieter, Hardware-Hersteller, Verbände?
  • Anmerkung aus Publikum: IT-Branche als gemeinsamer Nenner

Fazit

Öffentlicher Diskurs und technische Infrastruktur (Bsp. Vertrauen durch sichere Authentifizierung) müssen den Weg ebnen

Transparenz sicherstellen bedeutet Nutzer zu befähigen, selbst zu entscheiden

 

Die Referenten der Breakout-Session

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